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Allergische Rhinitis – evidenzbasierte Therapie nach Leitlinien (EBM)

Allergische Rhinitis: evidenzbasierte Therapie (Leitlinien-Übersicht) und Rolle der Akupunktur

Stand: Dezember 2025
Leitlinienbasis (AWMF):
S3-Leitlinie „Allergische Rhinitis“ (AWMF-Registernr. 061-014; derzeit im Register als angemeldet/in Arbeit geführt)
Transparenz: Fachinformation (keine individuelle Diagnose/Therapie). Ärztlich endkontrolliert.

Original-Quelle (Register):
AWMF 061-014 – Allergische Rhinitis (Registereintrag)

1) Kurzüberblick: Was ist allergische Rhinitis?

Allergische Rhinitis (z. B. Heuschnupfen oder ganzjährige Beschwerden) ist eine immunologisch vermittelte Entzündung der Nasenschleimhaut.
Typisch sind Niesen, Fließschnupfen, verstopfte Nase, Juckreiz sowie häufig begleitende Augenbeschwerden.
Wichtig: Allergische Rhinitis ist nicht nur „lästig“, sondern kann Schlaf, Leistungsfähigkeit und Lebensqualität deutlich beeinträchtigen
und ist klinisch häufig mit Asthma oder Rhinosinusitis verknüpft.

2) Diagnostik (leitlinienorientiert): Was gehört seriös abgeklärt?

  • Anamnese: Saison-/Umgebungsbezug, Trigger, Verlauf, Begleiterkrankungen (insb. Asthma), Medikamentenwirkung.
  • Klinische Untersuchung: Nasen-/Rachenbefund, ggf. Augen, Haut, Atemwege.
  • Allergologische Abklärung: je nach Fragestellung (z. B. spezifische IgE-Tests, Hauttests) ärztlich geplant.
  • Bei unklarem Befund/Fragestellung: Provokationstest kann indiziert sein (siehe verlinkte Leitlinie unten).

3) Evidenzbasierter Standard der Therapie: Stufenprinzip

3.1 Allergenreduktion & Trigger-Management

Trigger-Management (z. B. Pollenexposition reduzieren, Wohn-/Arbeitsumfeld optimieren) ist ein sinnvoller Basisbaustein.
Die konkrete Umsetzung ist individuell und hängt von Auslösern, Schweregrad und Alltag ab.

3.2 Symptomatische Pharmakotherapie (Kern der evidenzbasierten Standardbehandlung)

In der Regel wird ein stufenweises Vorgehen gewählt – abhängig von Symptomen, Belastung und Begleiterkrankungen.
Typische evidenzbasierte Optionen sind:

  • Intranasale Glukokortikoide (v. a. bei moderat/schwerer Symptomatik oder verstopfter Nase).
  • Antihistaminika (oral oder intranasal), v. a. bei Niesreiz/Fließschnupfen/Juckreiz.
  • Augentropfen (bei ausgeprägter Konjunktivitis-Symptomatik).
  • Weitere Optionen (z. B. leukotrienbezogene Therapie, Kombinationspräparate) je nach individueller Situation.

Entscheidend ist die ärztliche Einzelfallprüfung (Komorbiditäten, Schwangerschaft/Kinderwunsch, Alter, Interaktionen, Nebenwirkungen).

3.3 Kausale Therapie: Allergen-Immuntherapie (AIT)

Wenn eine klinisch relevante Sensibilisierung vorliegt und Beschwerden trotz adäquater Standardtherapie anhalten,
kann eine Allergen-Immuntherapie (AIT) erwogen werden. Sie zielt auf eine langfristige Modulation der allergischen Reaktion ab.
Indikation, Auswahl des Präparats/Allergens, Dauer und Sicherheitsaspekte müssen ärztlich geplant werden.

4) Sicherheit: Warnzeichen & Abgrenzung

Bitte lassen Sie Beschwerden zeitnah ärztlich abklären, wenn eines der folgenden Kriterien vorliegt:

  • Atemnot, pfeifende Atmung, Belastungsdyspnoe (Verdacht auf Asthma/Beteiligung der unteren Atemwege).
  • Fieber, starke Gesichtsschmerzen, eitriges Sekret oder deutliche Verschlechterung (Differenzialdiagnosen inkl. Sinusitis).
  • Schwellungen, Kreislaufprobleme, generalisierte Symptome (Notfall – mögliche Anaphylaxie).
  • Einseitige Beschwerden, Blutungen, ausgeprägte Geruchsstörung oder „atypischer“ Verlauf.

5) Rolle der Akupunktur: sinnvoll als Ergänzung – nicht als Ersatz

Akupunktur wird von vielen Patientinnen und Patienten als ergänzende Maßnahme nachgefragt.
Aus evidenzbasierter Sicht gilt:

  • Primärtherapie bleibt leitlinienorientiert (Trigger-Management, Pharmakotherapie, ggf. AIT).
  • Akupunktur kann ergänzend erwogen werden – insbesondere, wenn trotz Standardmaßnahmen eine relevante Symptomlast besteht
    oder wenn Patientinnen/Patienten einen nicht-medikamentösen Zusatzbaustein wünschen.
  • Kein Ersatz für notwendige Diagnostik, Asthma-Abklärung oder kausale/standardisierte Therapien.

6) Thematisch relevante Leitlinien (AWMF) – Kontext & Verknüpfungen

Allergische Rhinitis ist in der Praxis häufig mit angrenzenden Themen verbunden. Je nach klinischer Fragestellung sind u. a. folgende
AWMF-Leitlinien relevant:

7) Kurzfazit

Bei allergischer Rhinitis ist der evidenzbasierte Standard ein strukturiertes Vorgehen aus Diagnostik, Trigger-Management,
stufenweiser Pharmakotherapie und – bei geeigneter Indikation – Allergen-Immuntherapie.
Akupunktur kann als ergänzender Baustein erwogen werden, ersetzt jedoch keine leitlinienorientierte Diagnostik und Standardtherapie,
insbesondere nicht bei möglicher Asthma-Beteiligung oder Warnzeichen.


Hinweis zur Nutzung: Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder individuelle Therapieentscheidung. Bei akuten Warnzeichen (z. B. Atemnot, Kreislaufprobleme, schwere Allgemeinsymptome) suchen Sie bitte sofort medizinische Hilfe.

Transparenz (QM): Leitlinienorientiert (AWMF-Register, u. a. 061-014 und themenverwandte Leitlinien wie oben verlinkt). Redaktionell erstellt; Erstellung kann KI-unterstützt erfolgen. Medizinische Endkontrolle und Freigabe durch den verantwortlichen Arzt.