Evidenzbasierte Therapie nach aktuellen Leitlinien
Migräne verstehen: Mehr als „nur Kopfschmerz“
Migräne ist eine komplexe neurologische Erkrankung, die Ihr Leben erheblich beeinträchtigen kann. In Österreich liegt die 1-Jahres-Prävalenz in Erhebungen typischerweise um rund 10% und wird in der Leitlinienliteratur häufig im Bereich von 10–15% angegeben. Typisch sind wiederkehrende Attacken mit pulsierendem, oft einseitigem Kopfschmerz, häufig begleitet von Übelkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit sowie gegebenenfalls neurologischen Symptomen (Aura).
In meiner Praxis in Salzburg-Nonntal sehe ich täglich, wie sehr Migräne die Lebensqualität einschränkt – beruflich wie privat. Die gute Nachricht: Die moderne Migränetherapie bietet heute wirksame Behandlungsoptionen, sowohl medikamentös als auch komplementär.
Einordnung der Leitlinie: Was bedeutet S1-Evidenzniveau?
Die aktuelle S1-Leitlinie der DGN (2025) basiert auf Expertenkonsens. Das bedeutet: Die Empfehlungen sind klinisch etabliert, aber nicht alle Empfehlungen durchlaufen eine systematische GRADE-Bewertung wie bei S3-Leitlinien. Für Akupunktur existieren zusätzlich hochwertige Cochrane-Reviews und randomisierte kontrollierte Studien (RCTs), die eine eigenständige Evidenzbasis liefern.
| Leitlinien-Stufe | Methodik | Beispiel |
|---|---|---|
| S1 | Expertenkonsens | DGN Migräne-Leitlinie 2025 |
| S2 | Strukturierte Literaturarbeit | – |
| S3 | Systematische Reviews + GRADE | NVL Kreuzschmerz |
Therapieziele bei Migräne
Die Behandlung verfolgt zwei zentrale Ziele:
- Akuttherapie: Attacken rasch und zuverlässig behandeln, Symptome kontrollieren, Übergebrauch vermeiden
- Prophylaxe: Häufigkeit, Dauer und Intensität der Attacken langfristig reduzieren, Lebensqualität verbessern
Akuttherapie: Leitlinienbasierter Überblick
Erstlinie: NSAR
Nichtsteroidale Antirheumatika wie Ibuprofen oder Naproxen sind bei leichten bis mittelschweren Attacken wirksam. Evidenz: moderat–hoch (RCTs, SR/MA)
Zweitlinie: Triptane
Triptane (Sumatriptan, Rizatriptan u. a.) gelten als Mittel der Wahl bei mittelschweren bis schweren Attacken. Evidenz: hoch
- Timing: Frühe Einnahme in der Kopfschmerzphase verbessert die Wirksamkeit
- Übergebrauch vermeiden: Maximal 10 Einnahmetage pro Monat (Richtwert; individuelle ärztliche Anpassung)
- Kontraindikationen: z. B. koronare Herzerkrankung oder relevante zerebrovaskuläre Erkrankungen
Neuere Optionen: Gepante & Ditane
Rimegepant (Gepant) und Lasmiditan (Ditan) bieten Alternativen mit geringerem Vasokonstriktionsrisiko – besonders bei kardiovaskulären Kontraindikationen. Evidenz: moderat–hoch
Medikamentöse Prophylaxe
Bei häufiger oder stark beeinträchtigender Migräne (z. B. ≥3 Attacken/Monat oder relevante Alltagsbeeinträchtigung) wird eine Prophylaxe erwogen:
| Substanzklasse | Beispiele | Evidenz | Typische Nebenwirkungen |
|---|---|---|---|
| Betablocker | Metoprolol, Propranolol | Hoch | Müdigkeit, Hypotonie, Bradykardie |
| Antikonvulsiva | Topiramat | Hoch | Kognitive Störungen, Parästhesien |
| Antidepressiva | Amitriptylin | Moderat | Müdigkeit, Gewichtszunahme |
| CGRP-Antikörper | Erenumab, Fremanezumab | Hoch | Selten; insgesamt gute Verträglichkeit |
Akupunktur bei Migräne: Was sagt die aktuelle Studienlage?
Die Evidenzlage für Akupunktur in der Migräne-Prophylaxe ist gut untersucht. Wichtig: Akupunktur ist eine komplementäre Therapieoption – sie kann leitlinienbasierte Akuttherapie ergänzen, aber nicht ersetzen.
Kernaussagen der aktuellen Forschung
- Wirksamer als keine Behandlung: Akupunktur kann Migränefrequenz bzw. Migränetage reduzieren
- Über Scheinakupunktur hinaus: Cochrane-Update zeigt einen kleinen, aber statistisch nachweisbaren Effekt gegenüber Sham
- Vergleichbar mit medikamentöser Prophylaxe: In Studien/Reviews wird Akupunktur häufig als mindestens ähnlich wirksam beschrieben – bei tendenziell besserer Verträglichkeit
- Indirekter Vergleich zu Propranolol: Meta-Analyse (indirect comparison) zeigt einen Vorteil zugunsten Akupunktur in der Reduktion von Migräneepisoden über einen 4-Wochen-Zeitraum (SMD −0,74)
- Gute Verträglichkeit: In Studien werden insgesamt weniger Nebenwirkungen als bei manchen medikamentösen Optionen berichtet
- Wirksamkeitsdauer: Je nach Studie sind Effekte über Monate möglich; die belastbare Datenlage zur Dauerwirkung ist jedoch heterogen
Evidenztabelle: Schlüsselstudien zur Akupunktur bei Migräne
| Studie | Journal | Design | Kernergebnis | Quelle |
|---|---|---|---|---|
| Xu et al. 2020 | BMJ | RCT, multizentrisch (n=150) | 20 Sitzungen manuelle Akupunktur führten gegenüber Sham zu einer signifikant stärkeren Reduktion von Migränetagen (u. a. Wochen 13–16: 3,5 vs. 2,4 Tage; adjustierte Differenz −1,4; Wochen 17–20: 3,9 vs. 2,2; adjustierte Differenz −2,1) | PMID: 32213509 |
| Chen YY et al. 2020 | J Neurol | Meta-Analyse (19 RCTs, n=3656) | Indirekter Vergleich: Vorteil zugunsten Akupunktur vs. Propranolol zur Reduktion von Migräneepisoden über 4 Wochen (SMD −0,74; 95% CI −1,04 bis −0,44); Ergebnis laut Autor:innen als indirekter Vergleich zu interpretieren | PMID: 31435770 |
| Linde K et al. 2016 | Cochrane | SR/MA (22 RCTs) | Akupunktur reduziert Kopfschmerzhäufigkeit; kleiner Effekt gegenüber Sham; möglicherweise mindestens ähnlich wirksam wie prophylaktische Medikamente | PMID: 27351677 |
| Vickers AJ et al. 2012 | Arch Intern Med | IPD-MA (n=17.922) | Akupunktur wirksamer als Sham und Standardversorgung bei chronischen Schmerzen; Kopfschmerzgruppen in Subanalysen enthalten | PMID: 22965186 |
| IQWiG (Vorbericht) 2025 | IQWiG | Nutzenbewertung (vorläufig) | Anhaltspunkte für Vorteile in mehreren Endpunkten bis ca. 4 Monate nach Studienbeginn; für 6 Monate nach Studienbeginn kein Anhaltspunkt für einen höheren Nutzen vs. medikamentöse Prophylaxe; Hinweise auf geringeren Schaden (Nebenwirkungen) | PDF (18.11.2025) |
Bewertung durch offizielle Institutionen
- IGeL-Monitor: Bewertung „tendenziell positiv“ für Migränevorbeugung
- IQWiG (Vorbericht 18.11.2025): Anhaltspunkte für Nutzen in mehreren Endpunkten (v. a. bis ca. 4 Monate); Bewertung zur längerfristigen Wirksamkeit abhängig von Datenlage
- DGN-Leitlinie: Akupunktur kann als nichtmedikamentöse Option erwogen werden, insbesondere bei Präferenz für komplementäre Verfahren bzw. wenn Medikamente nicht gewünscht sind
Wann ist Akupunktur besonders geeignet?
- Wenn medikamentöse Prophylaxe nicht gewünscht wird
- Bei Unverträglichkeit oder Kontraindikationen gegenüber bestimmten Medikamenten
- In der Schwangerschaft und Stillzeit (Therapieentscheidung stets individuell)
- Als Ergänzung zur bestehenden Therapie
- Bei Präferenz für nichtmedikamentöse, nebenwirkungsarme Verfahren
Wichtig: Akupunktur ist eine komplementäre Maßnahme und ersetzt keine leitlinienbasierte Akuttherapie. Bei schweren Attacken sind Triptane oder andere Akutmedikamente weiterhin wichtige Optionen.
Mein Behandlungsansatz bei Migräne in Salzburg
Als Referent der Österreichischen Gesellschaft für Akupunktur (ÖGKA) seit 2010 und mit Ausbildungen an der Hubei University of Chinese Medicine in Wuhan verbinde ich in meiner Ordination in Salzburg-Nonntal leitlinienbasierte Medizin mit der Erfahrung der Traditionellen Chinesischen Medizin.
Praktischer Ablauf in meiner Ordination
- Diagnosesicherung nach ICHD-3-Kriterien, Ausschluss sekundärer Kopfschmerzen
- Ausführliche Erstanamnese (ca. 90 Min.): TCM-Diagnostik mit Puls- und Zungendiagnose, Erfassung von Attackenmuster, Auslösern und bisherigen Therapien
- Therapieplanung im Shared Decision Making: Akut + ggf. Prophylaxe, inkl. Akupunktur als Option
- Individueller Behandlungsplan: Kombination aus Körperakupunktur, ggf. Ohrakupunktur und bei Bedarf chinesischer Kräutertherapie
- Behandlungsserie: Typischerweise 6–12 Sitzungen im wöchentlichen Rhythmus (orientiert an gängigen Studienprotokollen und Praxisverlauf)
- Verlaufskontrolle: Migränetagebuch, gemeinsame Evaluation, ggf. Adjustierung
Häufige Fragen zur Akupunktur bei Migräne
Hilft Akupunktur wirklich bei Migräne?
Ja, die Studienlage zeigt, dass Akupunktur bei der Migräne-Prophylaxe wirksam sein kann. Cochrane-Reviews und große RCTs belegen, dass Akupunktur die Anzahl der Migränetage reduzieren kann – sowohl im Vergleich zu keiner Behandlung als auch gegenüber Scheinakupunktur. Die Wirksamkeit wird als vergleichbar mit medikamentöser Prophylaxe eingeschätzt, bei tendenziell besserer Verträglichkeit. Für die Akutbehandlung einzelner Attacken ist die Evidenz weniger eindeutig – hier bleiben Triptane und NSAR die etablierten Optionen.
Wie viele Akupunktur-Sitzungen braucht man bei Migräne?
In den meisten Studien wurden 10–20 Sitzungen über einen Zeitraum von 4–8 Wochen durchgeführt. In meiner Praxis in Salzburg beginne ich typischerweise mit einer Serie von 6–12 Sitzungen im wöchentlichen Rhythmus. Danach evaluieren wir gemeinsam den Therapieerfolg anhand Ihres Migränetagebuchs. Bei gutem Ansprechen können Auffrischungssitzungen in größeren Abständen sinnvoll sein.
Ist Akupunktur bei Migräne in der Schwangerschaft möglich?
Akupunktur kann in der Schwangerschaft eine Option sein, da viele Migräne-Medikamente in dieser Zeit kontraindiziert sind. Die Entscheidung muss jedoch immer individuell und in Absprache mit Ihrem behandelnden Gynäkologen erfolgen. In meiner Ordination in Salzburg behandle ich Schwangere mit Migräne unter besonderer Berücksichtigung spezifischer Akupunkturpunkte und -techniken.
Wie schnell wirkt Akupunktur bei Migräne?
Die Akupunktur bei Migräne ist primär eine prophylaktische Maßnahme – sie zielt auf die Reduktion der Attackenhäufigkeit, nicht auf die Akutbehandlung. Erste Effekte können nach 4–6 Sitzungen spürbar werden, die volle Wirkung zeigt sich oft erst nach Abschluss einer Behandlungsserie. Studien zeigen Anhaltspunkte für Vorteile bis etwa 3–4 Monate nach Therapiebeginn.
Hat Akupunktur bei Migräne Nebenwirkungen?
Akupunktur gilt als nebenwirkungsarm. Gelegentlich können kleine Hämatome an den Einstichstellen, leichte Müdigkeit oder ein Schweregefühl nach der Behandlung auftreten. Schwerwiegende Nebenwirkungen sind bei fachgerechter Durchführung sehr selten. Im Vergleich zu medikamentöser Prophylaxe (Betablocker, Topiramat, Amitriptylin) werden in Studien insgesamt weniger Nebenwirkungen berichtet – das IQWiG spricht von „Hinweisen auf geringeren Schaden“.
Übernimmt die Krankenkasse in Österreich die Kosten für Akupunktur bei Migräne?
In Österreich ist Akupunktur keine Kassenleistung. Als Wahlarzt rechne ich direkt mit Ihnen ab. Die gesetzlichen Krankenkassen (z. B. ÖGK) erstatten einen Teil der Kosten – die Höhe variiert je nach Kasse und Leistungsposition. Private Zusatzversicherungen übernehmen oft einen höheren Anteil. Details zu den aktuellen Behandlungskosten finden Sie auf meiner Website.
Wann sollten Sie sofort ärztlich abklären? (Red Flags)
Bei folgenden Symptomen ist eine sofortige ärztliche Abklärung erforderlich:
- Plötzlich einsetzender, maximaler Kopfschmerz („Donnerschlagkopfschmerz“)
- Neue oder anhaltende neurologische Ausfälle
- Fieber, Nackensteifigkeit oder schwere Allgemeinsymptome
- Kopfschmerz nach Trauma oder unter Antikoagulation
- Neu auftretende Kopfschmerzen in der Schwangerschaft
- Erstmanifestation nach dem 50. Lebensjahr
Kosten und Erstattung in Österreich
Als Wahlarzt für Allgemeinmedizin rechne ich direkt mit Ihnen ab. Die aktuellen Behandlungskosten finden Sie auf meiner Website.
- ÖGK-Erstattung: je nach Leistung und Kasse unterschiedlich (Richtwerte können variieren)
- Private Zusatzversicherung: je nach Tarif teilweise hohe Kostenübernahme möglich
Termin für Migräne-Behandlung in Salzburg vereinbaren
Sie möchten Ihre Migräne evidenzbasiert und nebenwirkungsarm mit Akupunktur behandeln lassen? Vereinbaren Sie einen Termin in meiner Ordination in Salzburg-Nonntal:
Ordination Dr. Philipp Laber
Peregrinstraße 11, 5020 Salzburg (Nonntal)
Anfahrt & Parken →
Quellenverzeichnis
- DGN (2025): S1-Leitlinie „Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne“. AWMF 030-057l. PDF
- Lampl C et al. (2003): One-year prevalence of migraine in Austria: a nation-wide survey. Cephalalgia. PMID: 12716346
- Xu S et al. (2020): Manual acupuncture versus sham acupuncture and usual care for prophylaxis of episodic migraine without aura. BMJ 368:m697. PMID: 32213509
- Chen YY et al. (2020): Acupuncture versus propranolol in migraine prophylaxis: an indirect treatment comparison meta-analysis. J Neurol. PMID: 31435770
- Linde K et al. (2016): Acupuncture for the prevention of episodic migraine. Cochrane Database Syst Rev. PMID: 27351677
- Vickers AJ et al. (2012): Acupuncture for chronic pain. Arch Intern Med 172:1444-53. PMID: 22965186
- IQWiG (2025): Akupunktur zur Prophylaxe bei Migräne – Vorbericht (N25-01), Version 1.0 (18.11.2025). PDF
- IGeL-Monitor (2023): Akupunktur zur Vorbeugung von Migräneanfällen – Bewertung „tendenziell positiv“. Web
- Goadsby PJ et al. (2017): CGRP monoclonal antibodies for migraine. N Engl J Med. PMID: 28564556
Weiterführende Informationen
- Akupunktur in Salzburg – Übersicht aller Behandlungsmethoden
- Kreuzschmerzen: Leitlinien und Akupunktur
- Allergien: Evidenzbasierte Behandlung
- TCM in Salzburg – Ganzheitlicher Ansatz
- Alle Leitlinien-Seiten im Überblick
- Meine Qualifikationen & Ausbildung
Rechtlicher Hinweis (AT): Diese Information dient der Aufklärung und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. Therapieentscheidungen erfolgen nach persönlicher Untersuchung und Nutzen-Risiko-Abwägung. Keine Heilversprechen.
Akupunktur bei Migräne in meiner Ordination
➜ Migräne & Kopfschmerzen mit Akupunktur behandeln — Behandlungskonzept, Ablauf und Kosten

