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Herpes zoster (Gürtelrose): leitlinienbasierte Therapie und die Rolle der Akupunktur

Herpes zoster (Gürtelrose): leitlinienbasierte Therapie und die Rolle der Akupunktur

Stand: Dezember 2025
Leitlinienbasis: S2k-Leitlinie „Diagnostik und Therapie des Herpes zoster und der Post-Zoster-Neuralgie“ (AWMF-Registernr. 013-023)
Transparenz: Fachinformation für Patientinnen und Patienten. Keine individuelle Diagnose oder Therapie. Ärztlich endkontrolliert.

1) Einordnung: Was ist Herpes zoster?

Herpes zoster („Gürtelrose“) entsteht durch eine Reaktivierung des Varizella-Zoster-Virus, das nach einer früheren Windpockeninfektion lebenslang in Nervenganglien verbleibt. Die Erkrankung äußert sich typischerweise durch starke neuropathische Schmerzen und einen segmental begrenzten, bläschenförmigen Hautausschlag.

Besonders relevant sind:

  • akute starke Schmerzen (oft bereits vor dem Hautausschlag)
  • Risiko für Post-Zoster-Neuralgie (PZN), insbesondere bei älteren Patient:innen
  • potenziell schwere Komplikationen (z. B. Zoster ophthalmicus)

2) Der leitlinienbasierte Goldstandard

2.1 Antivirale Therapie (zentrale Säule)

Die frühzeitige antivirale Therapie stellt den zentralen Goldstandard dar. Ziel ist die Reduktion der Virusreplikation, die Verkürzung der Krankheitsdauer und die Senkung des Risikos für Komplikationen.

Leitlinienempfehlung:

  • Aciclovir, Valaciclovir oder Famciclovir
  • möglichst innerhalb von 72 Stunden nach Auftreten des Exanthems
  • bei schweren Verläufen oder Immunsuppression ggf. intravenös

2.2 Schmerztherapie

Schmerzen bei Herpes zoster sind häufig neuropathischer Natur und erfordern eine adäquate, frühzeitige Behandlung:

  • NSAR oder Paracetamol bei leichten Schmerzen
  • Opioide bei stärkeren akuten Schmerzen
  • Gabapentin / Pregabalin bei neuropathischem Schmerz
  • Trizyklische Antidepressiva (z. B. Amitriptylin) bei PZN

2.3 Lokale Maßnahmen

  • antiseptische, austrocknende Lokaltherapie
  • Vermeidung sekundärer bakterieller Infektionen

3) Post-Zoster-Neuralgie (PZN)

Die Post-Zoster-Neuralgie ist die häufigste und klinisch relevanteste Komplikation. Sie wird definiert als persistierender neuropathischer Schmerz über >3 Monate nach Abheilung des Exanthems.

Leitlinienbasierte Therapieoptionen:

  • Gabapentin / Pregabalin
  • Amitriptylin oder andere Antidepressiva
  • topische Therapien (z. B. Lidocain-Pflaster)

4) Akupunktur: Rolle im evidenzbasierten Gesamtkonzept

Akupunktur ist in der AWMF-Leitlinie nicht Bestandteil des kausalen Goldstandards. Dennoch existieren Hinweise, dass sie als ergänzende Maßnahme sinnvoll sein kann – insbesondere bei neuropathischen Schmerzen.

  • Studien deuten auf eine mögliche Schmerzreduktion bei PZN hin
  • Mechanismen: Modulation zentraler Schmerzverarbeitung, Endorphinausschüttung
  • keine Evidenz für antivirale Wirkung

Wichtig (Abgrenzungspflicht):
Akupunktur ist kein Ersatz für eine antivirale Therapie. Sie kann ausschließlich als komplementäre Maßnahme im Rahmen einer ärztlich geführten Gesamtbehandlung eingesetzt werden – insbesondere bei:

  • persistierenden Schmerzen trotz leitliniengerechter Therapie
  • Unverträglichkeit einzelner Schmerzmedikamente
  • chronischer Post-Zoster-Neuralgie

5) Red Flags – wann sofort ärztlich abklären?

  • Beteiligung des Auges (Zoster ophthalmicus)
  • neurologische Ausfälle
  • Immunsuppression
  • rasch zunehmende Schmerzen oder Fieber

6) Ärztliche Einzelfallprüfung

Die Behandlung von Herpes zoster erfordert stets eine ärztliche Einzelfallentscheidung unter Berücksichtigung von:

  • Alter und Immunstatus
  • Schweregrad und Lokalisation
  • Risiko für Post-Zoster-Neuralgie

Komplementäre Verfahren wie Akupunktur können additiv integriert werden, sofern sie den Goldstandard nicht verzögern oder ersetzen.

7) Kurzfazit

Der Goldstandard bei Herpes zoster besteht aus einer frühzeitigen antiviralen Therapie und einer leitliniengerechten Schmerzbehandlung. Akupunktur kann in ausgewählten Fällen als ergänzende Maßnahme zur Schmerzmodulation sinnvoll sein, ersetzt jedoch keine kausale Therapie. Entscheidend bleibt die ärztliche Einzelfallprüfung.


Hinweis: Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung oder individuelle Therapieentscheidung.

Transparenz (QM): Leitlinienorientiert nach AWMF 013-023. Redaktionell erstellt, ggf. KI-unterstützt; medizinische Endkontrolle durch den verantwortlichen Arzt.

Original-Leitlinie:

AWMF S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie des Herpes zoster und der Post-Zoster-Neuralgie (013-023)