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Migräne – evidenzbasierte Therapie nach Leitlinie (EBM)

Moderne Migränetherapie: leitlinienbasierter Standard und die Rolle der Akupunktur

Stand: Dezember 2025
Leitlinienbasis:
S1-Leitlinie „Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne“ (DGN 2025; AWMF-Registernr. 030-057l) –

Original-Leitlinie (PDF)

Einordnung: Allgemeine medizinische Fachinformation, keine individuelle Diagnose- oder Therapieentscheidung. Ärztlich endkontrolliert.

1) Einleitung: Migräne ist mehr als „nur Kopfschmerz“

Migräne ist eine komplexe neurologische Erkrankung. Typisch sind wiederkehrende Attacken mit pulsierendem, oft einseitigem Kopfschmerz, häufig begleitet von Übelkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit sowie gegebenenfalls neurologischen Symptomen (Aura). Die moderne Migränetherapie verfolgt zwei zentrale Ziele:

  • Akuttherapie: Attacken rasch und zuverlässig behandeln.
  • Prophylaxe: Häufigkeit, Schwere und Beeinträchtigung der Attacken reduzieren.

Entscheidend ist stets ein individueller Behandlungsplan – abgestimmt auf Attackenmuster, Begleiterkrankungen, Lebensphase (z. B. Schwangerschaft) und Verträglichkeit.

2) Der leitlinienbasierte Standard: evidenzbasierte Akuttherapie und Prophylaxe

2.1 Akuttherapie: Triptane als häufig eingesetzte Standardoption

Für die Akutbehandlung gelten Triptane gemäß Leitlinie als wirksame Substanzen in der Kopfschmerzphase von Migräneattacken (mit oder ohne Aura), insbesondere wenn Analgetika oder NSAR nicht ausreichend wirken. Ihre Wirksamkeit wurde in zahlreichen randomisierten Studien und Metaanalysen untersucht; häufige Endpunkte sind klinisch relevante Besserung oder Schmerzfreiheit innerhalb definierter Zeitfenster.

  • Timing: Triptane wirken in der Regel besser bei früher Einnahme in der Kopfschmerzphase. Während einer Aura ohne Kopfschmerz sind sie typischerweise nicht wirksam.
  • Sicherheit: Bei bestimmten kardiovaskulären Erkrankungen können Kontraindikationen bestehen; eine ärztliche Nutzen-Risiko-Abwägung ist erforderlich.
  • Übergebrauch: Eine zu häufige Einnahme kann einen medikamenteninduzierten Kopfschmerz begünstigen. Als Orientierungswert werden häufig maximal 10 Einnahmetage pro Monat genannt – die individuelle Bewertung erfolgt ärztlich.

2.2 Prophylaxe: bewährte medikamentöse Verfahren

Bei häufiger oder stark beeinträchtigender Migräne wird eine Prophylaxe erwogen. Leitlinienbasierte Prophylaxe stützt sich auf Verfahren mit Wirksamkeitsnachweis in randomisierten Studien und systematischen Übersichten.

Typische evidenzbasierte Prophylaxeoptionen (Auswahl, indikationsabhängig):

  • Betablocker (z. B. Metoprolol, Propranolol)
  • Weitere etablierte Prophylaktika (z. B. Flunarizin, Topiramat, Amitriptylin)
  • Moderne zielgerichtete Therapien wie CGRP- oder CGRP-Rezeptor-Antikörper
  • Bei chronischer Migräne: OnabotulinumtoxinA (indikationsabhängig)

3) Akupunktur als ergänzende Option: Einordnung gemäß Leitlinie (Kapitel 10.8)

Akupunktur wird in der Leitlinie als komplementäre Maßnahme in der Prophylaxe diskutiert. Die Evidenzlage ist heterogen und abhängig vom Studiendesign:

  • Vergleiche mit Scheinakupunktur zeigen keine durchgehend konsistenten Vorteile; in Übersichtsarbeiten werden insgesamt eher klein bis moderat ausgeprägte Effekte beschrieben.
  • Im Vergleich zu medikamentöser Prophylaxe wird Akupunktur in einzelnen Analysen als potenziell wirksame Option mit meist guter Verträglichkeit eingeordnet; die Effektgröße ist jedoch variabel.
  • In der Praxis kann Akupunktur erwogen werden, wenn medikamentöse Prophylaxe nicht gewünscht, nicht vertragen oder medizinisch nicht möglich ist.

Abgrenzung: Akupunktur ersetzt keine leitlinienbasierte Standardtherapie, sondern kann – bei geeigneter Indikation – ergänzend eingesetzt werden.

4) Wann ist besondere ärztliche Abklärung erforderlich? („Red Flags“)

  • Plötzlich einsetzender, maximaler Kopfschmerz („Donnerschlagkopfschmerz“)
  • Neue oder anhaltende neurologische Ausfälle
  • Fieber, Nackensteifigkeit oder schwere Allgemeinsymptome
  • Kopfschmerz nach Trauma oder unter Antikoagulation
  • Neu auftretende oder deutlich zunehmende Kopfschmerzen in der Schwangerschaft

5) Kurzfazit

Die Migränetherapie basiert leitliniengemäß auf evidenzbasierter Akuttherapie und – bei Bedarf – wirksamer Prophylaxe. Akupunktur kann in der Prophylaxe eine ergänzende Option sein, insbesondere bei guter Verträglichkeit oder Wunsch nach nichtmedikamentösen Verfahren. Entscheidend bleibt die ärztliche Einzelfallprüfung.


Hinweis: Diese Information ersetzt keine ärztliche Untersuchung oder individuelle Therapieentscheidung.

Transparenz (QM): Leitlinienorientierte Darstellung (DGN 2025, AWMF 030-057l), erstellt und kontrolliert durch Dr. med. univ. Philipp Laber