Fibromyalgiesyndrom – evidenzbasierte Therapie nach Leitlinie (EBM)
Stand: Dezember 2025
Leitlinienbasis: S3-Leitlinie „Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie des Fibromyalgiesyndroms“
(AWMF-Registernr. 145-004)
Transparenz: Fachinformation für Patient:innen. Keine individuelle Diagnose oder Therapie. Ärztlich endkontrolliert.
1) Einordnung: Was ist das Fibromyalgiesyndrom?
Das Fibromyalgiesyndrom (FMS) ist ein chronisches Schmerzsyndrom mit generalisierten Muskel- und Weichteilschmerzen,
häufig begleitet von Erschöpfung, Schlafstörungen, Konzentrationsproblemen sowie vegetativen und psychischen Begleitsymptomen.
Es handelt sich nicht um eine entzündliche oder degenerative Erkrankung.
Die S3-Leitlinie beschreibt FMS als funktionelle Schmerzverarbeitungsstörung mit zentralnervöser Beteiligung
(zentrale Sensitivierung). Objektivierbare Labor- oder Bildgebungsbefunde fehlen typischerweise.
2) Leitlinienbasierter Standard: was gilt als Goldstandard?
Die Therapie des Fibromyalgiesyndroms folgt einem multimodalen, nicht-medikamentenzentrierten Ansatz.
Ein einzelnes „wirksames Medikament“ existiert laut Leitlinie nicht.
2.1 Zentrale Säulen der evidenzbasierten Therapie
- Patientenedukation: Aufklärung über Krankheitsmodell, Prognose und realistische Therapieziele.
- Körperliche Aktivität: Insbesondere aerobes Ausdauertraining (z. B. Gehen, Radfahren, Schwimmen).
- Psychologische Verfahren: Kognitive Verhaltenstherapie bei Bedarf.
- Schlafhygiene & Stressregulation.
Diese Maßnahmen weisen in Studien die beste Nutzen-Risiko-Bilanz auf und gelten als Basistherapie.
2.2 Medikamentöse Therapie: klar begrenzt
Medikamente spielen beim Fibromyalgiesyndrom eine untergeordnete Rolle:
- Antidepressiva (z. B. Amitriptylin, Duloxetin): können bei ausgewählten Patient:innen Symptome lindern.
- Analgetika / NSAR: laut Leitlinie nicht empfohlen.
- Opioide: klar nicht empfohlen.
Die Leitlinie betont ausdrücklich: Der langfristige Nutzen medikamentöser Therapie ist begrenzt,
Nebenwirkungen müssen sorgfältig abgewogen werden.
3) Akupunktur beim Fibromyalgiesyndrom: Leitlinienbewertung
Akupunktur wird in der S3-Leitlinie als komplementäre Behandlungsoption eingeordnet.
Die Evidenzlage ist heterogen:
- In randomisierten Studien zeigen sich kleine bis moderate Effekte auf Schmerz und Lebensqualität.
- Im Vergleich zu Scheinakupunktur sind die Ergebnisse nicht konsistent überlegen.
- Die Verträglichkeit ist insgesamt gut.
Leitlinienfazit: Akupunktur kann als ergänzende Maßnahme erwogen werden,
ersetzt jedoch keine aktive Bewegungstherapie oder multimodale Konzepte.
4) Wann kann Akupunktur sinnvoll integriert werden?
Aus ärztlicher Sicht kann Akupunktur im Rahmen eines Gesamtkonzepts erwogen werden bei:
- unzureichender Symptomlinderung trotz Basismaßnahmen,
- hoher Schmerzbelastung mit Wunsch nach nicht-medikamentösen Verfahren,
- guter Motivation zur aktiven Mitarbeit an Bewegung und Lebensstil.
Die Anwendung erfolgt stets indikationsbezogen und nach ärztlicher Einzelfallprüfung.
5) Wichtige Abgrenzung: was Akupunktur nicht leisten kann
Akupunktur:
- heilt das Fibromyalgiesyndrom nicht,
- ersetzt keine Bewegungstherapie,
- ist kein alleiniger Goldstandard.
Diese klare Abgrenzung ist Bestandteil einer seriösen, leitlinienkonformen Behandlung.
6) Ärztliche Einzelfallprüfung & Therapieziel
Ziel der Behandlung ist nicht Schmerzfreiheit um jeden Preis,
sondern eine Verbesserung von Funktionsfähigkeit, Schlaf und Lebensqualität.
Die Therapieplanung berücksichtigt:
- Symptomschwere und Leidensdruck,
- Begleiterkrankungen (z. B. Depression, Angststörung),
- individuelle Präferenzen und Ressourcen.
7) Kurzfazit
Das Fibromyalgiesyndrom erfordert eine multimodale, evidenzbasierte Therapie.
Aktive Maßnahmen stehen im Vordergrund.
Akupunktur kann als ergänzende Option eingesetzt werden,
wenn sie sinnvoll in ein Gesamtkonzept integriert wird.
Hinweis zur Nutzung: Dieser Text dient der allgemeinen Information
und ersetzt keine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder individuelle Therapieentscheidung.
Original-Leitlinie:
AWMF S3-Leitlinie Fibromyalgiesyndrom (Registernr. 145-004)
Transparenz (QM): Leitlinienbasiert (AWMF 145-004).
Redaktionell erstellt, ggf. KI-unterstützt; medizinische Endkontrolle und Freigabe
durch den verantwortlichen Arzt.

